USB 3.1 erklärt: Geschwindigkeit, Vorteile und Unterschiede

USB 3.1 klingt schnell, sagt aber fast nichts: Gen 1 ist nur umbenanntes USB 3.0 mit 5 Gbit/s, Gen 2 schafft 10 Gbit/s. Warum oft das Kabel der wahre Flaschenhals ist – und ein Tausch 40 Minuten auf 11 drückte.

USB 3.1 erklärt: Geschwindigkeit, Vorteile und Unterschiede

USB 3.1: der Name, der mehr verwirrt als er nützt

Ein Kollege schickt mir letzte Woche einen Screenshot von einem Gehäuse-Deckel. Darauf steht in fetten Lettern: "USB 3.1". Daneben ein blauer Port. Er fragt: "Ist das jetzt schnell oder langsam?" Und ich muss ehrlich zugeben: Diese Frage ist berechtigter, als sie klingt. Denn "USB 3.1" allein sagt Ihnen fast nichts. Sie müssen wissen, welches Gen gemeint ist, sonst raten Sie.

Ich habe mir vor ein paar Monaten eine externe SSD gekauft, die mit "USB 3.1" beworben wurde. Große Buchstaben, kleines Modell. Beim Kopieren von 80 GB Videomaterial dauerte der erste Versuch knapp 40 Minuten. Beim zweiten, nachdem ich das mitgelieferte Kabel gegen ein anderes getauscht hatte, waren es 11 Minuten. Gleiche Festplatte. Gleicher Rechner. Gleicher Port. Nur ein anderes Kabel. Das ist der ganze Punkt dieses Artikels in einer Anekdote.

Wichtige Erkenntnisse

  • USB 3.1 Gen 1 ist technisch identisch mit USB 3.0: 5 Gbit/s. Es wurde umbenannt, nicht verbessert.
  • USB 3.1 Gen 2 verdoppelt den Bruttodurchsatz auf 10 Gbit/s.
  • Was auf der Verpackung steht, sagt nichts über das Kabel aus. Das Kabel ist meist der Flaschenhals.
  • Ein blauer Stecker bedeutet nicht automatisch Gen 2. Die Farbe ist kein verlässliches Merkmal.
  • Für eine Maus oder Tastatur ist die ganze Diskussion irrelevant. Für eine NVMe-SSD in einem Gehäuse nicht.
  • Wer heute kauft, sollte eher nach USB 3.2 oder Thunderbolt schauen als nach 3.1.

Was ist USB 3.1 eigentlich?

USB 3.1 ist eine Spezifikation des USB Implementers Forum, kurz USB-IF. Sie beschreibt, wie Daten zwischen einem Host und einem Gerät übertragen werden, welche Spannungen anliegen dürfen und welche Steckerformen erlaubt sind. Das war es im Kern.

Der entscheidende Punkt: Die Version 3.1 führte keine neue Steckerform ein und auch keine neue Protokollfamilie. Sie war eine Aktualisierung der bestehenden 3.0-Spezifikation, die zwei Dinge mitbrachte. Erstens eine höhere mögliche Übertragungsrate. Zweitens eine überarbeitete Stromversorgung mit dem Namen USB Power Delivery, die deutlich mehr Watt über das Kabel schicken kann und damit auch größere Monitore oder Laptops versorgen kann.

Die zwei Generationen und ihre Zahlen

Und hier beginnt das Chaos. Das USB-IF legte fest, dass es innerhalb von 3.1 zwei Stufen gibt:

  • USB 3.1 Gen 1 — 5 Gbit/s Bruttorate. Das ist exakt das, was vorher USB 3.0 hieß. Eins zu eins dasselbe.
  • USB 3.1 Gen 2 — 10 Gbit/s. Das ist die echte Neuerung, die damals dazukam.

Bruttorate heißt: bevor der Protokoll-Overhead abgezogen wird. In der Praxis kommen bei Gen 1 typischerweise um die 400 bis 450 MB/s heraus, bei Gen 2 etwa das Doppelte. Wer mit der Faustformel "Gbit/s geteilt durch zehn, dann minus Overhead" rechnet, liegt selten völlig falsch.

Warum die Umbenennung passierte

Marketing. Ich kann es nicht anders sagen. Wenn ein Hersteller einen Laptop mit "USB 3.1" bewirbt, klingt das neuer als "USB 3.0", obwohl der verbaute Chip oft identisch ist. Das USB-IF hat diese Tür selbst aufgestoßen, indem es die alte Bezeichnung offiziell durch die neue ersetzte. Für Hersteller war das ein Geschenk, für Käufer eine Falle.

Später kam dann USB 3.2 dazu, und das Muster wiederholte sich. Aus USB 3.1 Gen 1 wurde USB 3.2 Gen 1, aus Gen 2 wurde USB 3.2 Gen 2, und neu dazu kam USB 3.2 Gen 2x2 mit 20 Gbit/s, das zwei Lanes gleichzeitig nutzt. Wer heute eine Produktbeschreibung liest, in der nur "USB 3.2" steht, weiß also immer noch nichts.

USB 3.1 vs. USB 3.0 vs. USB 3.2: die Vergleichstabelle

Ich habe die Zahlen so aufgeschrieben, wie ich sie einem Freund erklären würde. Die Praxiswerte sind Erfahrungswerte aus meinen eigenen Kopiertests mit einer NVMe-SSD in einem externen Gehäuse, keine Laborwerte.

Bezeichnung Alter Name Bruttorate Praxis ca. Wo Sie es finden
USB 3.2 Gen 1 USB 3.1 Gen 1 / USB 3.0 5 Gbit/s ~400–450 MB/s Standard heute, viele Laptops, Dockingstations
USB 3.2 Gen 2 USB 3.1 Gen 2 10 Gbit/s ~900–1.000 MB/s Höherwertige Mainboards, externe SSD-Gehäuse
USB 3.2 Gen 2x2 — 20 Gbit/s ~1.700–1.900 MB/s Selten, meist Desktop-Hardware

Was an dieser Tabelle am meisten überrascht: USB 3.1 Gen 1 und USB 3.0 sind nicht "ähnlich". Sie sind dasselbe. Wenn Ihnen jemand erzählt, er habe von 3.0 auf 3.1 aufgerüstet und es sei schneller geworden, hat er entweder von Gen 1 auf Gen 2 gewechselt, oder er bildet es sich ein.

Wie erkenne ich einen echten Gen-2-Port?

Die unangenehme Antwort: nicht an der Farbe. Blau war mal ein Hinweis auf USB 3.0, aber die Hersteller haben sich nie verbindlich daran gehalten. Ich habe Mainboards gesehen mit roten Ports, die Gen 2 sind, und blaue, die Gen 1 sind, und schwarze, bei denen ich raten musste.

Was funktioniert:

  1. Im Handbuch nachsehen. Klingt banal, ist aber die einzige verlässliche Quelle.
  2. Auf das Symbol achten. Ein "SS" plus "10" daneben ist ein starkes Indiz für Gen 2. "SS" allein bedeutet meist Gen 1.
  3. Auf die Beschriftung am Gehäuse schauen. Manche Hersteller drucken tatsächlich "10G" daneben. Diese sind die ehrlichen.
  4. Ein Test mit einer schnellen SSD. Wenn Sie nicht über 500 MB/s kommen, ist es Gen 1.

Das Kabel, das Sie nicht bestätigen wollen

Zurück zu meinen 40 Minuten. Was war passiert?

Das mitgelieferte Kabel der SSD war ein reines Ladekabel. Es konnte Strom übertragen, aber die Datenleitungen für die hohe Rate waren schlicht nicht alle vorhanden. Solche Kabel werden Herstellern in großen Mengen für Cent-Beträge verkauft, und sie funktionieren für eine Festplatte am Stromnetz tadellos. Nur eben nicht für Daten.

Das ist der Punkt, an dem die meisten Ratgeber aufhören. Sie erklären die Spezifikation, und der Leser steht danach genauso ratlos vor seinem Kabel. Also hier, was ich konkret mache:

  • Ich kaufe Kabel mit Aufdruck. "USB 3.2 Gen 2", "10 Gbps", "SuperSpeed+". Kein Aufdruck, kein Kauf.
  • Bei langen Kabeln über zwei Meter bin ich skeptisch. Passive Kabel dieser Länge halten die Rate oft nicht, unabhängig von der Spezifikation.
  • Für ein Gehäuse mit NVMe-SSD kaufe ich grundsätzlich ein separates Kabel. Die beigelegten sind mir zu oft Glücksspiel.

Wie schnell ist Gen 2 in der Realität?

Ich habe eine 2-TB-NVMe-SSD in ein Gen-2-Gehäuse gebaut und 50 GB gemischte Dateien kopiert, also viele kleine und einige große.

Ergebnis: durchschnittlich 780 MB/s über den gesamten Vorgang. Bei einer einzelnen großen Datei wurden es 960 MB/s. Bei 2000 kleinen Fotos sackte die Rate auf unter 200 MB/s ab. Das ist kein Fehler des Standards, sondern Physik: Bei vielen kleinen Dateien verbringt der Controller mehr Zeit mit Verwalten als mit Übertragen.

Wer also nur mit einer SSD aus einem Stapel Einzelfotos arbeitet, gewinnt durch Gen 2 wenig. Wer Videomaterial hin- und herschiebt, gewinnt alles.

Brauchen Sie USB 3.1 überhaupt?

Das hängt zu 100 Prozent davon ab, was am anderen Ende hängt. Und das ist die Frage, die in fast keiner Erklärung gestellt wird.

Eine Maus. Eine Tastatur. Ein Drucker. Ein USB-Mikrofon. Diese Geräte senden so wenig Daten, dass USB 2.0 mit 480 Mbit/s sie nie ausbremst. Sie können sie in einen USB-3.1-Gen-2-Port stecken und werden exakt null Unterschied merken.

Anders sieht es aus bei:

  • Externen SSDs, die als Arbeitslaufwerk dienen. Hier ist der Port die halbe Miete.
  • Capture-Karten für Video. Ein unkomprimierter 4K-Stream braucht Bandbreite, die Gen 1 eng werden lässt.
  • Dockingstations mit mehreren Bildschirmen und Netzwerk.
  • Netzwerkadaptern mit 2,5 oder 5 Gbit/s. Hier begrenzt der USB-Port tatsächlich den Durchsatz.

Meine ehrliche Meinung: Wenn Sie heute einen Rechner oder ein Gehäuse kaufen und der Preisunterschied zwischen Gen 1 und Gen 2 im Rahmen bleibt, nehmen Sie Gen 2. Nicht wegen morgen, sondern weil Sie sich in zwei Jahren nicht ärgern wollen.

Was Sie beim Kauf tatsächlich prüfen sollten

Ein letzter Punkt, der oft untergeht. USB 3.1 war bei seinem Erscheinen eine echte Verbesserung der Stromversorgung. Power Delivery erlaubt bis zu 100 Watt über ein Kabel, was bedeutet, dass ein Laptop über USB-C geladen werden kann, ebenso wie ein Monitor mit Strom versorgt wird und gleichzeitig das Bild liefert.

Für mich war das der eigentliche Fortschritt, nicht die Datenrate. Ich arbeite seit letztem Jahr mit einem Setup, in dem ein einziger USB-C-Stecker am Laptop hängt und Bildschirm, Netzwerk, Maus und Stromversorgung trägt. Kein Netzteil mehr in der Tasche. Kein Dockingkabel-Gewirr.

Und genau hier wird es 2026 interessant. Thunderbolt hat sich weiter verbreitet, USB4 ist auf vielen aktuellen Geräten Standard, und die alten 3.1-Bezeichnungen tauchen fast nur noch in Produktbeschreibungen von Zubehör auf, das sich mit einem altbekannten Namen verkaufen will. Wenn Sie heute ein Gerät kaufen, das mit "USB 3.1" wirbt und nicht mehr verrät, wäre meine erste Frage nicht "wie schnell", sondern "warum steht hier nicht USB4 oder Thunderbolt?"

Denn das ist die eigentliche Lehre aus der ganzen Gen-1-Gen-2-Verwirrung: Ein Hersteller, der klar kommunizieren will, tut es. Wer Ihnen die relevanten Zahlen und Generationen nennt, hat nichts zu verbergen. Wer nur "USB 3.1" schreibt, überlässt Ihnen die Recherche. Und das ist meistens Absicht.

Kilian Keller
AUTOR

Kilian Keller ist seit rund zehn Jahren als Journalist tätig. Seine Berichterstattung konzentriert sich auf die Themenfelder Finanzen und Immobilien sowie auf die Schnittstellen von Mode, Business und gesellschaftlichem Wandel.

Alle Artikel ansehen ›