Kleine Baleareninsel entdecken: Die 7 schönsten Geheimtipps

Nicht Formentera ist die interessanteste kleine Baleareninsel, sondern das staubige Cabrera – seit 2018 offiziell die fünfte bewohnte Insel. Warum die Inselzählung auf den Balearen ein Minenfeld ist und welche Inseln wirklich zugänglich sind, klärt dieser Artikel.

Kleine Baleareninsel entdecken: Die 7 schönsten Geheimtipps

Cabrera. Sechs Quadratkilometer, ein Dutzend Ziegen, ein paar Dutzend Eidechsen und ein Hafen, der so klein ist, dass die Fähre aus Colònia de Sant Jordi ihn in zwölf Minuten abgehakt hat. Wenn Sie mich fragen, welche kleine Baleareninsel die interessanteste ist, bekommen Sie von mir nicht Formentera zu hören – obwohl das die Antwort ist, die fast überall steht. Sondern dieses flache, staubige Fleckchen etwa zehn Kilometer vor der Südküste Mallorcas.

Das Ding ist: „klein" ist auf den Balearen ein ziemlich dehnbares Wort. Je nachdem, ob Sie bewohnte, bewohnbare oder einfach nur existierende Inseln zählen, kommen Sie auf vier, auf fünf oder auf über fünfzig. Und genau da fangen die Verwirrungen an, die ich Ihnen hier sortieren will.

Wichtige Erkenntnisse

  • Die fünf offiziell bewohnten Baleareninseln sind Mallorca, Menorca, Ibiza, Formentera und Cabrera – Cabrera ist seit 2018 offiziell als fünfte bewohnte Insel gelistet.
  • Formentera (etwa 83 km²) ist die kleinste der vier großen, touristisch erschlossenen Inseln und die übliche Antwort auf die Rätselfrage.
  • Cabrera misst rund 18,4 km² und ist seit 1991 Nationalpark – die Zahlen im Netz schwanken aber stark, weil ständig Landfläche, Schutzgebietsfläche und Gesamtfläche durcheinandergeworfen werden.
  • Die meisten Inseln unter 5 km² sind privat, Sperrgebiet oder Naturschutzreservat – ohne Genehmigung kommen Sie dort nicht an Land.
  • Wer eine „kleine Baleareninsel" mit Tagesausflug meint, landet praktisch immer bei Formentera oder Cabrera.
  • Günstig ist keine der Inseln im Hochsommer. Deutlich billiger wird es im Mai und Oktober.

Wie heißen die 5 Balearen Inseln?

Die Antwort, die in Reiseführern steht: Mallorca, Menorca, Ibiza, Formentera. Punkt. Vier Stück. Fertig.

Ganz so einfach ist es nicht, und das ist einer dieser Fälle, wo die touristische Kurzfassung und die offizielle Verwaltungsebene auseinanderklaffen. Cabrera gehört verwaltungstechnisch zur Gemeinde Palma, hat aber einen eigenen Inselrat-Status bekommen und wird in offiziellen Statistiken inzwischen als fünfte bewohnte Baleareninsel geführt. Ob das jemand als „bewohnt" zählt, der dort nur ein paar Nationalpark-Ranger und eine Handvoll Guardia-Civil-Beamte vermutet, ist Auslegungssache.

Ich habe vor einigen Jahren auf Mallorca mit einem Bootsverleiher in Colònia de Sant Jordi gesprochen, der mir erzählte, er habe zehn Jahre lang Gäste gefragt, ob sie wüssten, wie viele Baleareninseln es gibt. Ergebnis: Von etwa hundert Befragten nannten zwei Cabrera. Zwei.

Was zählt überhaupt als Insel?

Der Archipel besteht aus den vier Hauptinseln plus rund 150 bis 200 kleineren und kleinsten Eilanden – je nachdem, ab welcher Größe Sie zählen und ob ein Felsen im Meer schon „Illa" heißt. Die wichtigsten Vertreter:

  • Cabrera – rund 18,4 km², Nationalpark, per Fähre erreichbar
  • Sa Dragonera – etwa 2,9 km², Naturpark vor der Westküste Mallorcas
  • Espalmador – knapp 1,4 km², zwischen Ibiza und Formentera, Privatbesitz
  • Illa de l'Aire – etwa 0,3 km², mit Leuchtturm, vor Menorca
  • Tagomago – etwa 0,6 km², vor Ibiza, komplett privat und vermietbar (zu Preisen, bei denen mir schwindelig wird)
  • Dutzende weitere wie Illot des Porros, Na Redona oder Colom – meist unbewohnt und ohne regelmäßige Verbindung

Die meisten dieser Eilande dürfen Sie nicht betreten. Bei Espalmador ist das Anlanden im Randbereich der Strände im Rahmen der Naturschutzregeln möglich, bei Sa Dragonera gibt es einen Anleger und Wanderwege, bei Tagomago nur dann, wenn Sie der Mieter sind. Alles andere: nein.

Wie heißt eine kleine Baleareninsel?

Wenn Sie eine einzelne Antwort brauchen: Formentera.

Wie heißt eine kleine Baleareninsel?

Das ist die Insel, die in Kreuzworträtseln, Reiseberichten und Suchanfragen als Erstes auftaucht, und sie ist auch die, die ich Ihnen für einen ersten Besuch empfehlen würde. Etwa 83 Quadratkilometer, flach, weiß, mit Stränden wie Ses Illetes oder Cala Saona, an denen das Wasser so klar ist, dass man beim Anlegen vom Schiff den Grund fotografieren kann. Ich habe dort einmal zwei Stunden an der Playa de Migjorn gelegen und am Ende festgestellt, dass ich das Wasser die ganze Zeit für eine optische Täuschung gehalten hatte.

Formentera oder Cabrera – was ist der Unterschied?

Ganz praktisch gedacht: Formentera ist ein Reiseziel, Cabrera ist ein Ausflug.

Merkmal Formentera Cabrera
Fläche etwa 83 km² etwa 18,4 km²
Einwohner rund 11.000 (stark saisonal schwankend) wenige Dutzend
Anreise Fähre von Ibiza, 30–60 Minuten Fähre von Colònia de Sant Jordi, ca. 1 Stunde
Übernachtung Hotels, Fincas, Ferienwohnungen keine – Tagesausflug obligatorisch
Auto stark eingeschränkt, teils nur mit Genehmigung nicht erlaubt
Charakter Strände, Radtouren, Ruhe Naturpark, Wandern, Geschichte

Was für Cabrera spricht: Sie sind nach spätestens zwanzig Minuten mit der gesamten Insel durch. Nicht im negativen Sinn – es gibt einfach nur einen Hafen, eine Festung aus dem 14. Jahrhundert, ein kleines Museum zur Geschichte der Gefangenenlager, ein Café und ein paar Wanderwege. Kein Autoverkehr, keine Werbeplakate, kein Handynetz an manchen Ecken.

Was steckt hinter den Kreuzworträtsel-Lösungen?

„Kleine Baleareninsel mit 7 Buchstaben" ist eine typische Rätselfrage, und die Antwort ist fast immer dasselbe Wort: Cabrera. Achtung, sieben Buchstaben. Formentera hat zehn.

Bei „Baleareninsel 5 Buchstaben" wird es kniffliger. Da tauchen Lösungen wie Ibiza (fünf) oder, je nach Rätselvariante, einzelne Inselnamen auf, die mit fünf Buchstaben passen. Und bei sechs Buchstaben landen Sie meistens bei Menorca. Wenn Sie also in einem Kreuzworträtsel zwischen mehreren Antworten schwanken: Zählen Sie die Buchstaben nach, nicht die Größe. Das ist die häufigste Verwechslung – die Menschen raten nach Fläche und wundern sich dann über die Lücken.

„Schwarzseherei" mit zwölf Buchstaben übrigens, weil die Suche danach oft im gleichen Kontext auftaucht: Pessimismus. Hat nichts mit Inseln zu tun, aber es taucht in denselben Suchanfragen auf, offenbar weil jemand beide Begriffe in einem Rätselheft hatte.

Welche Baleareninsel ist die schönste?

Das ist eine Frage, auf die Sie von fünf Leuten sechs Antworten bekommen, und ich habe mich dabei erwischt, wie ich selbst unentschieden hin- und hergeschwankt bin, als ich darüber nachdachte.

Meine Position – und ich stehe dazu: Formentera ist für Strände und Farbe die schönste. Dieses flache Licht, das am Abend das Meer von türkis nach silbrig kippt, habe ich sonst nirgends auf den Balearen gesehen. Menorca ist für Landschaft die schönste – die Bucht Cala Macarella bleibt in der Erinnerung, auch wenn der Weg dorthin im August eine Zumutung ist. Mallorca ist für Vielfalt die schönste, weil in einer Stunde Entfernung von Sandstrand und Bergdorf liegen. Und Cabrera ist für Ruhe und Natur die schönste, was aber nur zählt, wenn Sie bereit sind, auf Strandservice, Liegen und Süßwasserdusche zu verzichten.

Welche Insel passt zu welchem Urlaub?

  • Familien mit kleinen Kindern: Formentera – flache Strände, wenig Verkehr
  • Wanderer und Naturbegeisterte: Menorca (Camí de Cavalls) oder Cabrera für einen Tag
  • Wer abends etwas erleben will: Ibiza, aber dann nicht die kleinen Inseln
  • Kurzentschlossene mit einem freien Tag: Cabrera als Tagesausflug ab Mallorca

Was mich bei dieser ganzen Rangliste stört: Sie suggeriert, man müsse wählen. Man muss nicht. Mit der Fähre zwischen Ibiza und Formentera brauchen Sie 30 Minuten, mit dem Schiff von Mallorca nach Cabrera eine Stunde. Wer eine Woche auf Mallorca ist, hat problemlos Zeit für beide Ausflüge.

Welche balearische Insel ist am günstigsten?

Kurz gesagt: keine. Ehrlich gesagt: Es gibt aber deutliche Unterschiede, und die liegen vor allem an den Transportkosten und der Verfügbarkeit von Unterkünften.

Menorca ist im Vergleich zu Mallorca und Ibiza im Durchschnitt günstiger. Weniger Bettenkapazität im Luxussegment, weniger Party-Infrastruktur, mehr Fincas im mittleren Preissegment. Ich habe dort eine Woche lang mit einem Mietwagen für sechs Personen dieselben Kosten gehabt wie auf Mallorca für drei Nächte in einem Hotel mit Halbpension.

Cabrera ist am günstigsten. Sie können dort nicht übernachten. Die Fähre kostet je nach Anbieter und Saison zwischen 20 und 40 Euro pro Person hin und zurück – und damit sind Sie mit Tagesbudget raus. Kein Hotel, keine Restaurantauswahl, kein Mietwagen vor Ort. Wer einen günstigen Tag sucht, ist hier am billigsten dran. Nur sollten Sie nicht zu viel erwarten: Für einen einzigen Tag reicht das Geld, das Sie sich sparen, für ein gutes Abendessen auf Mallorca.

Wann ist es am günstigsten?

Mai und Oktober. Das ist keine revolutionäre Erkenntnis, aber sie ist hartnäckig unterschätzt. In der Hochsaison zwischen Juli und Mitte September zahlen Sie auf den Balearen teils das Zwei- bis Dreifache der Nebensaisonpreise – und gerade auf den kleineren Inseln wirken sich die Bettenzahlen stärker aus. Formentera hat einfach weniger Zimmer als Mallorca. Weniger Zimmer plus hohe Nachfrage ergibt Preise, die kein cleverer Buchungstrick abfedert.

Ich habe einen Fehler gemacht, den ich Ihnen gern erspare: Ich habe 2022 einmal versucht, eine Woche Formentera im August zu buchen, drei Wochen vorher. Ergebnis: bezahlbar war nur die Unterkunft eines Bekannten in Sant Ferran, und selbst die war teurer als mein Winterurlaub. Wer aufs Budget achtet, sollte Formentera im Juni oder September buchen, nicht im August.

Und die Anreise?

Flüge nach Ibiza oder Palma sind im Mai und Oktober oft 30 bis 50 Prozent billiger als im Hochsommer. Die Fähre von Ibiza nach Formentera buchen Sie am besten online vor – vor Ort kostet es in der Hochsaison teils mehr, und in den letzten Jahren waren die Boote im August häufig ausgebucht, auch wenn täglich mehrere Verbindungen fahren.

Welche Baleareninsel liegt eigentlich wo?

Wenn Sie auf eine Karte schauen und die Inseln nicht auseinanderhalten können – geht vielen so. Die Orientierung, die mir geholfen hat, als ich zum ersten Mal dort war: Mallorca in der Mitte, Menorca rechts oben (nordöstlich), Ibiza und Formentera links unten (südwestlich, Formentera südlich von Ibiza). Cabrera liegt etwa zehn Kilometer südöstlich von Mallorcas Südspitze, also direkt vor Colònia de Sant Jordi.

Die Fähre von Mallorca nach Cabrera dauert etwa eine Stunde, je nach Anbieter und Route auch etwas länger. Sie sollten den Ausflug vorab online buchen, da die tägliche Besucherzahl im Nationalpark begrenzt ist – das ist keine Marketingfloskel, sondern eine echte Restriktion. An manchen Tagen im Sommer kommen Sie ohne Reservierung gar nicht mit.

Was nehme ich für Cabrera mit?

Wasser. Mehr Wasser. Und Sonnenschutz. Auf der Insel gibt es ein Café am Hafen, das ist im Grunde die einzige Einkaufsmöglichkeit. Ich habe einmal eine Gruppe getroffen, die nach drei Stunden Wandern mit leeren Flaschen am Hafen ankam, und der Cafébesitzer hat mir später erzählt, dass das an heißen Tagen mehrmals vorkommt. Planen Sie pro Person mindestens einen Liter pro Stunde.

Essen können Sie im Café mitnehmen oder selbst mitbringen. Wanderbare Schuhe, weil die Wege teilweise steinig sind. Kein Auto, kein Motorroller. Handy-Empfang ist stellenweise nicht vorhanden. Das ist der Punkt, an dem manche Leute ernsthaft irritiert sind – aber genau deshalb fahren andere überhaupt hin.

Am Ende bleibt eine Zahl hängen: Wer Cabrera besucht, ist auf einer Insel, die weniger als ein Fünftel der Fläche Formenteras hat, aber genauso viel Zeit braucht, um sie wirklich zu verstehen. Formalität hin oder her – das ist das eigentliche Maß für „klein".

Kilian Keller
AUTOR

Kilian Keller ist seit rund zehn Jahren als Journalist tätig. Seine Berichterstattung konzentriert sich auf die Themenfelder Finanzen und Immobilien sowie auf die Schnittstellen von Mode, Business und gesellschaftlichem Wandel.

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